Tendinopathie

Eine Patientin der Physiotherapie wird auf dem Rücken liegend an der Schulter behandelt

Was ist eine Tendinopathie?

Das Wort Tendinopathie setzt sich aus den lateinischen Wörtern „Tendos“ für Sehne und „Pathie“, was so viel wie Krankheit oder Leiden bedeutet, zusammen. Das Leiden der Sehne oder die Sehnenbeschwerden können an unterschiedlichen Körperstellen – häufig im Zuge einer Sportverletzung, Fehlbelastung oder Überbelastung – auftreten, typisch sind der Ellenbogen und die Verse. Umgangssprachlich gibt es viele Bezeichnungen wie Tennis-Ellenbogen, Golfer-Ellenbogen, Springer-Knie und noch viele mehr. Gekennzeichnet sind die Krankheitsbilder alle durch Schmerzen, Schwellungen und Rötungen des schmerzhaften Areals. Betroffene berichten speziell von Anlaufschmerzen, die die Bewegungsfreiheit und den Alltag stark einschränken können.

Wenn du mehr über die Symptomatik und Behandlung der Tendinopathie erfahren willst und was du dagegen tun kannst, bist du hier genau richtig. In diesem Beitrag fassen wir alle wichtigen Informationen zur Anatomie und zum Krankheitsbild und vor allem, was du gegen die Sehnenerkrankung tun kannst, zusammen.

Inhaltsverzeichnis

Generiert sich aus den H-Überschriften

Wie setzt sich eine Sehne zusammen?

Die Muskulatur ist der aktive Part, der den passiven Stützapparat des Körpers, also die Knochen, erst zu einem richtigen Bewegungsapparat macht. Eine Sehne verbindet die Muskulatur mit dem Knochen und gewährleistet damit die  Kraftübertragung vom Muskel auf den Knochen.
Sehnen müssen sehr widerstandsfähig und gleichzeitig flexibel sein, da über ein großes Bewegungsausmaß Scherkräfte und Zugkräfte auf die Sehne wirken. Das Gewebe der Sehne ist daher sehr fest, ähnlich wie bei einem dicken Gummiband. Dieses Gewebe wird im Gegensatz zum weichen Gewebe der Muskulatur weniger stark durchblutet, was einen großen Einfluss auf die Heilungsprozesse der Sehne nimmt. Blut liefert den Zellen im Gewebe Nährstoffe und transportiert Stoffwechselendprodukte ab. Durch diese Nährstoffe, wie Sauerstoff und Zucker, können Zellen wachsen, sich verändern und somit Gewebe umbauen oder eben eine Wunde schließen.

Achillessehne – Achillessehnenschmerz

  • Ansatzpunkt/ Verbindung der Wadenmuskulatur mit der Ferse
    • Wadenmuskulatur: m. triceps surae bestehend aus dem m. soleus und m. gastrocnemius
  • Wadenmuskulatur ist aktiv beim Zehenstand und dem Abstoßen beim Gehen, speziell beim Rennen
  • Typische Symptome
    • Schwellung und Rötung über der Ferse
    • Schmerzen in der Achillessehne beim Gehen und Rennen

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Patellasehne – Patellaspitzensyndrom

  • Ansatzpunkt des Oberschenkelmuskels (Quadricpes), Verbindung des Quadriceps mit dem vorderen Schienbein unter dem Knie
    • Quadriceps: vierköpfiger Muskel bestehend aus dem m. rectus femoris, mm. vastus lateralis + medialis + intermedium
  • Quadriceps ist aktiv bei der Kniestreckung, zum Beispiel beim Gehen und der Hüftbeugung wie beim Hinsetzen
  • Typische Symptome können sein:
    • Schwellung und Rötung unter der Kniescheibe
    • Schmerzen beim Hinhocken oder Hinsetzen
    • Schmerzen beim Springen

Sehne eines Handhebers – Tennis-Ellenbogen

  • Verbindet den Ursprung eines Handhebermuskels mit dem unteren Oberarm auf der Außenseite des Ellenbogens
    • Häufig betroffene Muskulatur: m. extensor carpi radialis brevis und longus
    • Ertasten der Muskulatur: rechte Hand an die linke Außenseite der Ellenbeuge legen und den linken Handrücken nach oben ziehen
  • Die Handhebermuskeln stabilisieren das Handgelenk bei funktionellen Griffen wie zum Beispiel beim Halten eines Stifts oder eines Tennisschlägers
  • Typische Symptome:
    • Druckschmerz an der Außenseite des Ellenbogens
    • Schwäche im Handgelenk
    • Schmerzen beim Strecken des Ellenbogens

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Sehne eines Rotators im Schultergelenk – Impingement Syndrom/ Schmerzhafte Schulter

  • Ansatzpunkt der Schulterblattmuskulatur, Verbindung der Muskulatur mit dem Oberarm
    • Rotatoren der Schulter: m. supraspinatus, m. infraspinatus, m. teres minor und m. subscapularis
  • Die Schulterblattmuskulatur ist vor allem bei der Innen- und Außenrotation des Armes aktiv
  • Typische Symptome:
    • Schmerzen in der Schulter, teilweise ausstrahlend bis zum Ellenbogen
    • Schmerzen beim Anheben des Armes über die Seite
    • Eingeschränktes Bewegungsausmaß des Armes

Das Zusammenspiel von Muskeln und Sehnen

Ähnlich wie ein Muskel kann sich die Sehne an Belastungen anpassen. Aber: Die Anpassung der Sehne ist langsamer als die der Muskulatur. Dies geschieht anhand von Adaption des Gewebes durch den Umbau oder Aufbau von Zellen.
Bei Krafttraining wird der Muskel stärker und nimmt an Umfang zu, um Gewichte zu heben, drücken oder stoßen. Die Sehne sowie die Sehnenansätze werden ebenfalls widerstandsfähiger und dies sorgt auch bei hohen Belastungen für eine optimale Kraftübertragung. Da das Gewebe der Sehne weniger durchblutet ist, braucht diese mehr Anpassungszeit als die Muskulatur. Die Muskeln werden durch die stärkere Durchblutung schneller mit Nährstoffen für Um- und Aufbau des Sehnengewebes versorgt, wodurch eine Anpassung oder ein Wachstum des Gewebes in kürzerer Zeit möglich ist.
Der Zuwachs an Leistung der Muskulatur in Form von Kraft und Schnelligkeit bedeutet für die Sehne höhere Schwer-, Druck- und Zugkräfte, da mehr kinetische Energie auf den Halteapparat übertragen werden muss.

Was passiert bei einer Tendinopathie?

Eine Tendinopathie tritt typischerweise nach ungewohnten, intensiven oder auch sportlichen Belastungen auf. Typische Situationen sind der Halbmarathonlauf ohne ausreichende Vorbereitung oder Überstunden mit viel Arbeit am PC, die nach dem entspannten Urlaub aufgeholt werden mussten.
Von der Muskulatur, wie auch von den Sehnen, wird ein neues Bewegungsmuster oder eine ungewohnte Belastung gefordert, woran sich das Gewebe erst gewöhnen muss.
Die Muskulatur ist fähig schneller zu regenerieren und zu adaptieren, was wie oben erklärt, mit der stärkeren Durchblutung des Gewebes zusammenhängt.
Demgegenüber ist die Sehne nicht in der Lage, sich auf physiologische Weise derart schnell an die neue Belastung anzupassen, weshalb es zu einem pathologischen Umbau des Gewebes kommt.

Der pathologische Umbau

In die Sehne wird Kollagen, also Bindegewebe, eingelagert, damit die Sehne den erhöhten Scher-, Druck- und Zugkräften standhalten kann. Da das Bindegewebe aufgrund der akuten Situation sehr schnell hergestellt werden muss, sind die Qualität und die  Widerstandsfähigkeit des Bindegewebes sehr gering. Die geringe Qualität wird durch die Quantität, also die Masse an Gewebe, kompensiert, was als Schwellung oder Verdickung der Sehne sichtbar wird.
Durch die Aufbauprozesse wird eine erhöhte Durchblutung benötigt, sodass kleine Blutgefäße in die Sehne einwandern. Dies äußert sich in einigen Fällen als Rötung des Gebiets.

Diese Prozesse sind keine Entzündung, sondern der Versuch der Sehne, sich möglichst schnell an die neue Belastung anzupassen.

Da der pathologische Umbau durch die fehlende Zeit mit qualitativ schlechtem Material geschehen muss, ist die umgebaute Sehne vergleichbar mit einem Haus aus Pappe. Das Papp-Haus ist zwar schnell aufgebaut, fällt allerdings beim nächsten Sturm zusammen. Der Sturm ist im Fall des Bewegungsapparats Belastung durch Sport und Bewegung, was die Widerstandsfähigkeit der Sehne übersteigen könnte.

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Was hat das mit meinen Schmerzen zu tun?

Schmerzen sind Warnzeichen, die eine Schädigung oder Verletzung verhindern sollen. Der Schmerz funktioniert wie eine Alarmanlage des Papp-Hauses, der vor zu starkem Sturm und somit vor Gefährdungen des Hauses warnt. Eine Gewitterwarnung wird vor dem Eintreten von Sturmschäden ausgesprochen und kann verschiedene Gefährdungsstufen zum Beispiel Grün, Gelb und Rot kommunizieren.
Ähnlich ist es mit Schmerzen. Schmerzen sind als Warnzeichen zu verstehen, um eine Schädigung des Gewebes zu vermeiden. Die Abstufungen von Schmerz weisen auf unterschiedliche Risiken der Verletzungsgefahr hin.
Dies bedeutet, dass Schmerzen nicht zwangsläufig auf eine Verletzung hinweisen, sondern einen schonenden Umgang mit dem belastenden Areal einfordern.

Das Haus ist dem Wetter schonungslos ausgeliefert, während wir selbst den Grad an Belastung und Bewegung unseres Körpers bestimmen können, um Verletzungen vorzubeugen. Schmerz führt so zu einer Schonung der betroffenen Extremität, sodass Schädigungen verhindert werden können.

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Was kann ich gegen meine Tendinopathie tun?

Durch Belastung entsteht Belastbarkeit. Allgemein ist eine professionelle Beratung und Unterstützung während des Heilungsverlaufs sinnvoll oder sogar notwendig. Dieser Artikel enthält allgemeingültige Informationen, die auf aktuellen wissenschaftlichen Erkenntnissen beruhen, jedoch keine Physiotherapie ersetzen können. Im Rahmen der Physiotherapie kann ihre Therapeutin oder ihr Therapeut individuell auf Fragen eingehen und die Behandlung an spezifische Bedürfnisse anpassen.

Der Verlauf der Tendinopathie wird anhand der Bewegungseinschränkungen und der Schmerzen in verschiedene Phasen eingeteilt. Je Phase ist ein angepasstes Verhalten und Training notwendig, um die Sehne beim Heilungsverlauf zu unterstützen. Das Training ist die elementare Basis der Behandlung, da nur durch Belastung Belastbarkeit entstehen kann. Aufgrund der vorherigen Überbelastung ist es essenziell, das Training und andere Aktivitäten im Alltag korrekt zu dosieren. Durch ein progressives und an den Schmerz angepasstes Training ist es der Sehne möglich, auf physiologische und gesunde Weise Widerstandsfähigkeit und Flexibilität aufzubauen.

Der Heilungsverlauf ist sehr individuell und wird kriterienbasiert in vier Phasen eingeteilt. Die Kriterien sind die Symptome, anhand derer man die Phasen und die zugehörige Behandlung bestimmt. Dies bedeutet, dass die Behandlung an die individuellen Symptome angepasst wird und der Erfolg an den entsprechenden Fortschritten bemessen wird.

Die Kriterien jeder Phase sind unter „Kennzeichen der Phase“ zu finden. Das „Belastungsmanagement“ beschreibt innerhalb der Physiotherapie und Orthopädie, wie mit den Schmerzen umgegangen werden sollte und was im Alltag zu beachten ist.
Für einen individuellen Therapie- und Übungsplan sollten Sie sich physiotherapeutische Unterstützung holen, zum Beispiel direkt bei ANAMETRICS – kontaktieren Sie uns jetzt!

Behandlung in den verschiedenen Phasen der Tendinopathie

 

Kennzeichen der Phase

Belastungsmanagement

Phase 1

Schmerzreduktion

  • Anhaltende Schmerzen im Alltag von über 3 von 10 auf der NRS Schmerzskala
  • Vermeiden von Aktivitäten aufgrund von Schmerzen
  • Vermeide Belastungen für die betroffene Sehne, die dauerhafte Schmerzen von über 5 von 10 hervorrufen
  • Sport sollte in dieser Phase des Heilungsverlaufs nicht ausgeführt werden
  • Der Schmerz sollte nach Anstrengungen nicht über 3 von 10 liegen
  • Plane genügend Pausen im Alltag und auf deiner Arbeit ein, um deiner Sehne Erholungszeit zwischen anstrengenden Phasen zu ermöglichen

Phase 2

Aufbau von Mobilität und Kraft

  • Reduktion der Schmerzen im Alltag auf 3 von 10
  • Reduktion der Schmerzen bei den vorherigen Übungen auf 0 von 10 der NRS Schmerzskala
  • Das oben beschriebene Management sollte so fortgeführt werden
  • Du solltest merken, dass immer mehr Aktivitäten schmerzfrei möglich sind

Phase 3

Krafttraining

  • Keine Beschwerden bei Alltagsaktivitäten
  • Maximal Schmerzen von 3 von 10 der NRS Schmerzskala ei voller Mobilität und Gewichtsbelastung
  • Versuche weiterhin Pausen in deinen Alltag und deinen Beruf zu integrieren

Phase 4

Return to sport/ work

  • Keine Schmerzen bei Alltagsaktivitäten
  • Maximale Schmerzen von 2-3 von 10 der NRS Schmerzskala bei Belastungen im Sport und Alltag
  • Einstieg in den Sport oder anstrengenden beruflichen Aktivitäten

Physiotherapie

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Training

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  • Tendinopathy clinical practice guideline – the ohio state university, wexner medical center Microsoft Word – Tendinopathy.docx (osu.edu)
  • Current Clinical Concepts: Conservative Management of Achilles Tendinopathy, Silbernagel 2020
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