Schmerztherapie: Physiotherapie

Welche Rolle die Physiotherapie in der allgemeinen Schmerztherapie spielt

Was bedeutet Schmerz eigentlich und wo kommt dieser her? Über bestimmte Rezeptoren (Nozizeptoren) nehmen wir Schmerzreize auf. Dabei leiten stimulierte Nozizeptoren Signale über Nerven zum Rückenmark und von dort aus zu unserem Gehirn, wo die bewusste Schmerzwahrnehmung entsteht.

Eine Patientin der Physiotherapie wird auf dem Rücken liegend an der Schulter behandelt

Bereits im Rückenmark existieren erste Filtersysteme, die die Schmerzreize regulieren und auch anhalten können und diese somit nicht unser Gehirn erreichen. Das bedeutet: Eine körperliche Schädigung muss nicht zwangsläufig Schmerzen verursachen. Umgekehrt können Schmerzen auch ohne körperliche Schädigungen bestehen.

Das Zusammenspiel verschiedener Systeme unseres Gehirns bestimmt dabei, wie intensiv wir den Schmerz empfinden. So spielen zum Beispiel das Ausmaß des Schadens, aber vor allem auch Erfahrungen von früher und Gefühle wie Angst oder Stress eine bedeutende Rolle bei der Wahrnehmung jedes Einzelnen.

Was bedeutet akuter Schmerz?

Der akute Schmerz ist ein Warnsignal.  Der Körper will uns mitteilen, dass etwas nicht stimmt. So haben wir Schmerzen, wenn wir mit dem Fuß umknicken, wenn wir uns an der heißen Herdplatte verbrennen oder wenn wir uns einen Knochen brechen. Unser Körper verfügt über gute Fähigkeiten zur Selbstheilung und repariert den Schaden häufig innerhalb weniger Tage oder Wochen, wenn wir uns in dieser Zeit entsprechend verhalten. Eine Entzündung nach einer akuten Verletzung ist normal und notwendig, um den entstandenen Schaden zu reparieren. Dennoch sollte sie medizinisch beobachtet werden.

Was bedeutet chronischer Schmerz?

Etwa 10 Prozent der Menschen haben chronische Schmer­zen. Meist treten diese als Kopf- oder Rücken­schmerzen auf. Man spricht von einem chronischen Schmerz, wenn dieser über einen Zeitraum von mindestens 3–6 Monaten wiederkehrend auftritt oder als Dauer­schmerz präsent ist. Das Fehlen einer offensichtlichen körperlichen Schädigung ist für die Betroffenen häufig psychisch belastend.

Neben körperlichen Beeinträchtigungen spielen seelische und soziale Faktoren bei der Aufrechter­haltung und während der Entstehung von chroni­schen Schmerzen eine bedeutende Rolle. Denn unser Schmerzempfinden wird durch frühere Schmerzerfahrungen oder negative Er­eignisse sowie persönliche Einstellungen beein­flusst. Daneben kann sich auch die Reaktion unseres persönlichen Umfelds negativ auf das Schmerzverhalten auswirken.

Warum die Schonungs- und Vermeidungstaktik nicht gut sind

Bei akuten Schmerzen kann körperliche Schonung helfen, während es bei den chronischen Schmerzen mehr schadet als es nutzt. Eine andauernde Schonung führt häufig zu Muskelver­spannungen, Durchblutungsstörungen und einem Abbau der Muskelkraft. Diese können die Schmerzen langfristig verstärken. Daneben kann das Vermeiden von sozialen Aktivitäten Schmer­zen fördern, da Freude und Ablenkung fehlen.

Wie werden Schmerzen behandelt?

Akute Schmerzen sind durch medizinische Maßnahmen, wie zum Beispiel durch Medikamente oder Physiotherapie innerhalb der Schmerztherapie, frühzeitige Aufklärung sowie richtiges Verhalten therapierbar.

Um chronische Schmerzen zu vermeiden, sollten rechtzeitig Risikofaktoren erkannt und in die Behandlung miteingebunden werden. Die Behandlung chronischer Schmerzen gestaltet sich aufgrund der verschiedenen möglichen Ursachen und Einflussfaktoren als äußerst komplex und bedarf meist der Zusammenarbeit verschiedener Disziplinen, wie Medizin, Physiotherapie und Psychologie.

Das multimodale Konzept

Beim multimodalen Konzept sind das Engagement des Betroffenen, Verantwortung für seine Gesundheit zu übernehmen, und der Wille nach Verän­derung entscheidend für den Erfolg der Behandlung. Um aktiv daran zu arbeiten, sollte man das Wissen über Schmerz und dessen Einflüsse kennen.

Das Ziel einer jeden Schmerzbehandlung bei chronischen Schmerzen sollte eine aktive Teilnahme am täglichen Leben sein, um mehr Lebensqualität durch aktive Bewegung herbeizuführen. Körperliche Einschränkungen werden dabei berück­sichtigt und nach Möglichkeit behandelt.

Welchen Beitrag die Schmerztherapie und Physiotherapie leisten kann

Menschen mit akuten und chronischen Schmerzen können erheblich von Physiotherapie profitieren. Ein wesentlicher Bestandteil des Schmerzmanagements und der Schmerztherapie in der Physiotherapie ist die Beratung und Aufklärung der Patienten über die Zusammenhänge und dem Wechselspiel von Schmerz, Bewegungsverhalten und emotionalem Befinden.

Vor allem bei anhaltenden Schmerzen tut Bewegung gut. So können negative Folgen wie Muskelabbau oder Verspannungen vermieden werden. Passive Maßnahmen wie die Manuelle Therapie sorgen für Schmerzlinderung in den betroffenen Gelenken.

Andere passive Maßnahmen wie die Massage oder Elektrotherapie sind bei chronischen Schmerzen weniger effektiv und sollten ebenso wie einseitiges Krafttraining vermieden werden. Besonders wichtig ist es, das Vertrauen in den eigenen Körper wiederzuerlangen. Dabei kann eine gezielte Physiotherapie unterstützen.

Im Rahmen der physiotherapeutischen Arbeit werden nach einem ausführlichen Gespräch und der Eingangsuntersuchung individuelle Ziele vereinbart, an denen der Patient erstens aktiv im Alltag arbeitet und zweitens im Coaching von einer Physiotherapeutin oder einem Physiotherapeuten geführt wird.

-Diemer F, Lowak H, Sutor V (2017): Leitfaden Physiotherapie in der Orthopädie und Traumatologie. 3. Auflage. Elsevier. München. Kapitel 6: Schmerzphysiologie ab S. 77

- Nobis HG, Rolke R, Graf-Baumann T (2016): Schmerz – eine Herausforderung. Informationen für Betroffene und Angehörige – Offizielle Informationsschrift mehrerer Schmerzgesellschaften 2. aktualisierte Auflage. Springer. Berlin. Heidelberg. -> v.a. Kapitel 1 + 5

- Wager J, Zernikow B (2015): Was ist Schmerz? In: Zernikow B (HRSG): Schmerztherapie bei Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen. Springer. Berlin. Heidelberg.

- Eccleston C (2001): Role of psychology in pain management. British Journal of Anaesthesia. 87(1):144-152.

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