Muskelfaserriss: Physiotherapie

Die Stadien eines Muskelfaserrisses und wie die Physiotherapie hilft

Der Muskelfaserriss ist eine langwierige Verletzung, die zu oft wochen- bis monatelangem Ausscheiden aus dem Training führen kann. Durch ein optimiertes Training in Kombination mit Krankengymnastik/Physiotherapie, genügendes Aufwärmen sowie Einhalten von Pausen und den im nachfolgenden Text genannten Maßnahmen lässt sich einer schmerzhaften Verletzung vorbeugen oder bei bereits eingetretenem Muskelfaserriss der Heilungsverlauf positiv beeinflussen.

Eine Patientin der Physiotherapie wird auf dem Rücken liegend an der Schulter behandelt

Bei Muskelfaserrissen ist die erste Maßnahme der Physiotherapie die sogenannte „PECH-Regel“. Diese kann direkt nach einem Muskelfaserriss angewendet werden. Je schneller Sie eingreifen, desto eher kommen Sie wieder auf die Beine.

PECH ist ein Akronym und steht für

  1. Pause,
  2. Eis,
  3. Compression,
  4. Hochlagern.

Das heißt, Sie sollten das Training abbrechen, sobald die Muskelfasern gerissen sind, die betroffene Stelle kühlen und unter einem Kompressionsverband hochlagern, um die Schwellung so weit wie möglich zu reduzieren. Neuere Forschungen empfehlen, den Kühlverband alle 20 Minuten mit einer 10-minütigen Pause zu wechseln. Auch danach sollte die betroffene Körperregion höher gelegt werden, um die Drainage zu erleichtern.

Weitere Phasen der Physiotherapie nach einem Muskelfaserriss

Die Krankengymnastik/Physiotherapie richtet sich nach den verschiedenen Wundheilungsphasen. Denn jede Verletzung durchläuft während der Heilung verschiedene Phasen – so auch der Muskelfaserriss.

Die klassische Einteilung erstreckt sich von der Entzündungsphase (bis zu fünf Tagen), der Proliferationsphase (etwa bis zum 21. Tag) bis hin zu der Remissionsphase, welche bis zu einem Jahr dauern kann und bei welcher die Struktur ihre volle Belastbarkeits- und Funktionsfähigkeit wiedererlangt.

Wird in der Krankengymnastik/Physiotherapie zu früh und zu stark belastet, kann eine erneute Entzündung auftreten und die Phasen verlängern sich dementsprechend. Daher ist ausreichend Schonung wichtig.

In jeder Phase benötigen die neu wachsenden Fasern Reize, die sie richtig ausrichten lassen und auf sie ihre Funktion vorbereiten. Ansonsten kommt es zu Verklebungen, Funktionsabbau und Abschwächung bis Gewebeabbau (Atrophie) des Muskels.

Innerhalb der Physiotherapie werden gemeinsam mit der Patientin oder dem Patienten optimale Übungen zur Reizsetzung in der Krankengymnastik oder Physiotherapie erarbeitet und ständig angepasst.

Akutphase

Im Akutstadium ist es wichtig, dass der Muskel während der Krankengymnastik/Physiotherapie nicht gedehnt wird. Denn die neuen Fasern müssen zunächst wieder zusammenwachsen. Dehnen würde das Gegenteil bewirken. Die betroffene Körperregion sollte immer ohne große Belastung und im schmerzfreien Bereich bewegt werden.

In der Physiotherapie wird diesen Verklebungen durch passive Bewegung während der Übungen entgegengewirkt. Eine schonende Bewegungsmöglichkeit für zu Hause ist Fahrradfahren auf einem Heimtrainer ohne Widerstand.

Physiotherapie nach der Akutphase

Ist die Akutphase beim Muskelfaserriss vorüber und der Muskel im schmerzfreien Bereich wieder beweglicher, sind sogenannte Funktionsmassagen in der Krankengymnastik und Physiotherapie angebracht. Hier wird der Muskel längs seines Faserverlaufs komprimiert und vorsichtig in die Dehnposition gebracht. Der Vorteil dieser Maßnahme ist eine genau dosierbare und individuell anpassbare Dehnung und Bewegung. Um dem Muskelabbau entgegenzuwirken, kann der Muskel zunächst statisch – also ohne Bewegung – angespannt und entspannt werden. Dies kann in jeder Position mehrmals am Tag durchgeführt werden. Einige Sekunden Spannung halten, lösen und wiederholen.

Über Faszientechniken kann der Physiotherapeut umliegendes Gewebe beim Muskelfaserriss lockern. Wenn sich neue Fasern gebildet haben, ist der Muskelfaserriss nahezu verheilt. Entzündungszeichen wie Schmerz und Schwellung gehen langsam zurück und der Muskel sollte jetzt trainiert werden, um seine volle Funktion zurückzuerlangen.

Der Muskel muss also nach dem Muskelfaserriss im gesamten System wieder funktionieren. So wird einer erneuten Verletzung aktiv vorgebeugt. Gängige Übungen während der Genesung bei einem Muskelfaserriss sind zum Beispiel der Einbeinstand oder das Ausbalancieren auf einem Wackelkissen auf unebenem Untergrund. Eine hilfreiche Übung aus der Krankengymnastik/Physiotherapie für zu Hause ist beispielsweise das Stehen auf einer zusammengerollten Sofadecke. Funktioniert dies auch einbeinig, können hierauf Kniebeugen geübt werden.

Wiedereinstieg in den Sport

Ist der Muskelfaserriss wieder ausgeheilt und der Muskel durch die Krankengymnastik und Physiotherapie trainiert, kann langsam wieder mit Sport begonnen werden – allerdings sollte man sich für den Wiedereinstieg einige Wochen Zeit nehmen. Das Training wird langsam gesteigert und es ist wichtig, immer die Regenerationszeiten zu beachten. So besteht nicht die Gefahr, seinen Muskel oder den gesamten Körper gleich wieder zu überlasten. Stabilisations-, Kraft- und Dehnübungen sollten auch weiterhin fortgeführt werden. Training und Übungen lassen sich ständig individuell anpassen und abwechslungsreich gestalten. So sinkt die Gefahr, erneut durch einen Muskelfaserriss aus dem Sport auszuscheiden.

Weitere Verfahren zur Unterstützung

Weitere Maßnahmen in der Krankengymnastik/Physiotherapie beim Muskelfaserriss ist die Verwendung von Tapebandagen, um den Muskel zu entlasten und gleichzeitig in seiner Funktion zu unterstützen. Sie können dem Gewebe Platz geben, um eine ausreichende Durchblutung und Versorgung mit Nährstoffen zu gewährleisten, und um Spannung von den Strukturen zu nehmen. Diese empfehlen sich auch zum Wiedereinstieg in den Sport nach einem Muskelfaserriss. Bei extremen Schwellungen gibt es Tapes, die den Abfluss der Entzündungsflüssigkeit fördern. In diesem Fall können außerdem manuelle Lymphdrainagen während der Krankengymnastik/Physiotherapie sinnvoll sein.

Ursache des Muskelfaserrisses und Prophylaxe

Die einzelnen Zellen eines Muskels werden als Fasern bezeichnet, da sie lang und dünn sind. In den Muskelfasern liegen Elemente, die sich bei der Anspannung (Kontraktion) verkürzen. Diese Elemente gleiten für eine Bewegungsentstehung langsam ineinander und auseinander. Hilfseinrichtungen in der Muskulatur kontrollieren ständig die Spannung des Muskels und verhindern zum Beispiel eine Überdehnung durch reflektorisches Gegenspannen. So wird der Muskel vor Verletzungen geschützt. Wird ein Muskel jedoch zum Beispiel unaufgewärmt oder zu oft hintereinander sehr stark belastet, können auch körpereigene Systeme nicht mehr für ausreichenden Schutz sorgen.

Zum Muskelfaserriss, also dem Zerreißen von Muskelzellen kommt es, wenn ein Muskel überdehnt wird. Eine typische Bewegung für die Entstehung von einem Muskelfaserriss ist das Lossprinten aus vorgedehnter Position oder der Schuss beim Fußball. Der Muskelfaserriss beim Lossprinten entsteht in der unaufgewärmten Wade, da der Muskel noch nicht flexibel genug ist und mit einer schnellen kräftigen Bewegung auseinandergezogen wird.

Deswegen gilt: Um einem Muskelfaserriss vorzubeugen, ist es wichtig, sich vor jedem Sport genügend aufzuwärmen, sowie Regenerationsphasen einzuhalten. Ist der Körper nicht genügend erholt, fehlt ihm die Kraft, sich selbst zu schützen und volle Leistung zu liefern.

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